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Pfingsten 2009 versuchen zwei erfahrene Reiseradler auf einem Flughafen von Moskau vergebens, etwas über den Verbleib einer nicht angekommenen Gepäcktasche zu erfahren.
Russische Bürokratie, vermutlich selbst mit Sprachkenntnis undurchschaubar und widersprüchlich. Ein sprachkundiger Kollege hat seine Teilnahme leider abgesagt. Es wird umdisponiert und die für den Schluss der Tour geplante Stadtbesichtigung vorgezogen. 30 km auf Schnellstrasse bis zur Innenstadt sind eine harte Sache, aber dann die Überraschung: Moskau ist eine tolle Stadt, voller Sehenswürdigkeiten, sehr sauber und sicher, gut per Fahrrad zu erkunden.
Mit dem Radl entlang des Kremls über den Roten Platz bis vor die Basilius-Kathedrale - ein Traum wird wahr. Es findet sich sogar ein Radweg an der Moskwa (mit Fahrrad- fahrern und Skatern) und auch ein preisgünstiges Hostel mit sehr freundlichem Personal.
Am nächsten Abend ist die Fahrradtasche noch immer verschollen, was tun? Wir fahren los. Es zeigt sich, dass viele Kleidungsstücke umsonst mitgeschleppt worden wären (Frauen!), ansonsten wird improvisiert z. B. mit Verpackungsfolie statt Regenhose.
Es folgen rund 1400 km auf dem Goldenen Ring, einem Dutzend kulturhistorisch bedeutsamer Städte ringförmig im Norden Moskaus mit meist wunderbar restaurierten orthodoxen Kirchen und Klöstern.
Auf dem breiten Seitenstreifen der Autobahn lässt es sich zügig (und absolut legal!) radeln, aber auch schlaglochübersäte Nebenstraßen und Pisten stellen für Radfahrer kein Problem dar (ausgenommen Feldwege nach Regen). Wohl aber die Mücken in dieser wald- und sumpfreichen Landschaft. Dies bedeutet bei abendlicher Windstille: anhalten, sofort rein in die stichdichte Regenkleidung, jedes herausschauende Körperteil schnellstens mit Insektenspray geschützt und nach dem Zeltaufbau das Abendessen trotzdem oft innen im Zelt.
Trotz Bedenken können wir ohne irgendwelche Zwischenfälle wild campen (es gibt keine Campingplätze); nach jeweils 3 wilden Zeltübernachtungen findet sich ein, anders als befürchtet, durchaus bezahlbares und komfortables Hotel.
Die Bevölkerung ist zurückhalten, doch hilfsbereit (z. B. Schlauchboot bei fehlender Brücke); auffällig der große Unterschied zwischen supermodernen Städten und aussterbenden Dörfern mit den typischen Holzhäuschen, zwischen stink-reich und bitter-arm.
Zurück am Flughafen ist inzwischen auch die Radtasche wieder aufgetaucht. Mit der Erfahrung, dass sich auch Russland für Fahrradtouren eignet und der Absicht, nächstes Jahr St. Petersburg in Angriff zu nehmen, können wir zufrieden den Rückflug (keine Radmitnahme in Zügen) antreten.
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