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Hier kommt mal wieder was aus der beliebten Abteilung Verkehrspoltik: in den vergangenen drei Jahren haben wir ja nun zusammen mit anderen engagierten Leuten im Arbeitskreis Rad der Agenda 21 versucht, ein Radwegenetz für Hof zu entwickeln.
Es wurden Schwachstellen und kritische Punkte ermittelt, konkrete Lösungsvorschläge aufgezeigt und mittelfristig die Schaffung von Hauptachsen für ein vernünftiges Vorankommen des Radverkehrs vorgeschlagen. Von Anfang an war diese Arbeit, so interessant sie auch gewesen ist, an einigen Stellen problematisch, so dass wir jetzt auf die Fortsetzung der turnusmäßigen Arbeitssitzungen verzichten. Um nur die wichtigsten Probleme zu nennen: mit einem negativrekordverdächtigen Radverkehrsanteil von unter 2% (laut jüngstem Verkehrsgutachten) haben wir hier natürlich nicht gerade eine Massenbewegung hinter uns. Nun könnte das ja durchaus als Ansporn dienen. Wenn es denn von den Entscheidern in dieser Stadt jemanden interessieren würde.
Peinlich niedrige Prozentsätze bei einer Sache, über deren vielfältig positive Auswirkungen eigentlich mittlerweile Konsens besteht, müssten doch die Verantwortlichen zum Handeln bringen.
In den meisten Städten wird versucht, und zwar ausgehend von oben, den sogenannten Umweltverbund zu fördern und auszubauen, also Anreize zu schaffen, dass vermehrt Fuß-, Rad- und öffentlicher Nahverkehr genutzt werden, um die bekannten schädlichen Auswirkungen des PKW-Verkehrs zu mindern. Die autogerechte Stadt ist ein mittlerweile längst überlebtes Konzept aus den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Man scheint nun aber in Hof der Ansicht zu sein, dass das immer noch zeitgemäß ist und Stadt-Radfahren eine irgendwie norddeutsche und jedenfalls dem eingeborenen Hofer wesensfremde Tätigkeit ist.
Diese Einstellung hat dazu geführt, dass fast alle unserer Vorschläge von Verwaltung und Politik mit wenig Enthusiasmus aufgenommen wurden und fast nichts davon umgesetzt wurde. Deshalb schlage ich vor, dass wir uns jetzt selbst unser Radwegenetz bauen. Man kann nämlich auch in Hof ganz gut Rad fahren, wenn man die richtigen Wege kennt.
Vermutlich kennen viele, die sich öfter mal im Alltag aufs Rad schwingen, ein paar ganz brauchbare Wege und Verbindungen, die sie für ihre täglichen Verrichtungen nutzen. In anderen Stadtteilen, wo man nicht so oft hin kommt, ist man dann eher unsicher. Wenn jetzt aber alle ihre erprobten Routen und Schleichwege bekannt geben und wir das bündig zusammenstellen, könnte ein Radwegenetz entstehen, ganz in Eigenarbeit und ohne dass wir (vergeblich) darauf warten müssen, ob uns die Stadt hier oder dort irgendwas hinbaut.
Selbsthilfe statt Anträge stellen. Dabei könnte ein Stadtplan für Radler herauskommen, der nicht nur den wenigen jetzt schon aktiven Radfahrern mehr Orientierung verschafft. Auch Menschen, die sich bisher nicht aufs Rad trauen, könnte man damit aufzeigen, dass es geht, auch und gerade ohne die klassischen Radwege, die als Konzept ja auch schon wieder irgendwie überholt sind. Lasst uns also, statt um Radwege zu betteln, lieber die Straßen zurück erobern.
Wer Lust hat, hierbei mitzuwirken, schickt einfach seine / ihre Routen, Schleichwege und Geheimtipps an den ADFC Hof (z.B. per Mail adfc.hof@web.de).
Auch Ideen, wie wir das dann aufbereiten könnten (Plan, Broschüre, im Netz, beim Hofer Umwelttag etc.) sind willkommen; das Projekt ist noch ganz offen.
Oliver Groll
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