|
Wer in der überschaubaren Stadt Hof das tut, was andernorts gang und gäbe ist, nämlich Strecken, die länger als ein Kilometer sind, mit dem Fahrrad zurückzulegen, kann ganz schön was erleben.
Erstmal kann man sich als Radler im bunt wogenden Blech ganz schön einsam fühlen, denn es kann schon vorkommen, dass einem auf einer Fahrt quer durch die Stadt kein einziger anderer Radfahrer begegnet (und das gilt jetzt für alle Jahreszeiten und Wetterlagen).
Dagegen herrschen in Städten wie Erlangen, Freiburg, Bayreuth oder Münster, aber eigentlich überall in Restdeutschland geradezu vorkapitalistisch-chinesische Zustände. Hier dagegen wird der Radfahrer je nach Temperament oder Stimmungslage entweder ignoriert oder amüsiert, verärgert oder mit einer gewissen Fassungslosigkeit wahrgenommen ("Ja, derf der des?").
Fragt man nach den Ursachen, erfährt man, dass Hof quasi eine hochalpine Topographie aufweist (die vielen Berge!), hier immer schlechtes Wetter herrscht (Bayerisch-Sibirien!) und zwar jeder ein Rad im Keller(!) stehen hat, aber damit nur dreimal im Jahr (1. Mai, Himmelfahrt und ein weiterer beweglicher Fahrradtag) mit quietschender Kette und auf schwammigen Reifen zum Untreusee fährt. Anschließend tun allen dann Knie und Gesäß mächtig weh.
Oder war das jetzt zu tief in die Klischee-Kiste gegriffen?
Aber mal ehrlich: woran liegt es, dass wir Radfahrer im Stadtverkehr einfach nicht wahrgenommen werden? Warum werden selbst für solche Schwertransporte wie die Sonntagsbrötchen Unmengen an Family-Vans bewegt? Warum hat jeder, der das Fahrrad regelmäßig im Alltag benutzt, gleich einen Ruf als leicht schrulliger Extremsportler weg?
Weil wir so wenige sind; weil der Gang vor die Tür zum Auto für die meisten Leute so selbstverständlich ist (egal wohin der Weg führt) wie für uns, ein Paar Schuhe anzuziehen; weil der Anblick eines Radfahrers auf dem Weg zur Arbeit für die meisten befremdlicher ist als der Anblick einer Person, die für den Transport von einer Tüte Gebäck eine riesige Maschine in Gang setzt.
Was hilft? Natürlich die eigenen Gewohnheiten mal überdenken und häufiger Rad fahren oder zu Fuß gehen. Aber auch die äußeren Umstände könnten für ein radfahrfreundlicheres Klima sorgen. A propos Klima: wir haben jetzt ja die paradoxe Situation, dass von dem nicht zuletzt durch den massiven Autoverkehr hervorgerufenen Klimawandel in erster Linie die Radfahrer profitieren, aber es wäre wohl zynisch, die kurzfristig als ganz nett empfundenen Begleiterscheinungen (Hochsommer im April!) über die weniger netten Naturereignisse zu stellen, die zuerst den Ländern der Dritten Welt, aber später auch uns blühen.
Aber ein gutes Fahrradklima (das mal zu erleben, kostet nicht mehr als eine Fahrkarte nach z.B. Erlangen) hängt natürlich vor allem von ganz vielen kleinen Dingen ab, die auch in Hof zu erreichen wären. Dafür will sich der ADFC einsetzen, dafür gibt es schon eine Vielzahl von Ideen, aber dafür braucht es auch die Mitwirkung von möglichst vielen Leuten, die in irgendeiner Form am Verkehrsgeschehen in unserer Stadt teilhaben.
Deshalb ergeht die ausdrückliche Bitte an alle, die das hier gelesen haben, mit Anregungen, Kritik (auch wenn nötig am bisher Gesagten) oder sonstigen Beiträgen eine verkehrspolitische Diskussion anzustoßen, von der am Ende alle, so unterschiedlich ihre Positionen auch sein mögen, profitieren könnten. Wir vom ADFC wollen versuchen, diese Diskussion zu moderieren und im Rahmen unserer Möglichkeiten auch konkrete Lösungen und Verbesserungen erreichen.
Oliver Groll
|