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Kurzer und atmosphärischer Bericht über die Landesdelegiertenversammlung des ADFC Bayern am Samstag, dem 15.03.2008 in Neumarkt/Oberpfalz.
"Wer immer das Fahrrad erfunden hat - ihm gebührt der Dank der Menschheit."
Persönlich beeindruckt haben mich auf dieser Versammlung (auf der auch die Delegierten für die Bundesversammlung des ADFC gewählt wurden) verschiedene Dinge:
- die selbstverständliche Begrüßung durch den Landrat und den Bürgermeister von Neumarkt (die Stadt gibt pro Jahr etwa 500000 Euro für die Fahrrad- Infrastruktur aus!
- die Erfahrung, Kompetenz und Argumentationsstärke der anderen Delegierten und des Vorstandes
- die faire und konstruktive und von dem Ringen um Lösungen geführte Debatte
Auf der Versammlung habe ich gespürt, was es bedeutet, als Individuum bzw. Vertreter des Kreisverbandes Hof Mitglied eines Vereins zu sein, der bundes- und europaweit tätig ist und Sachen veranstaltet wie die internationale Velo-City-Konferenz (1000 Teilnehmer, Verkehrssprache Englisch) oder beharrliche Verhandlungen mit Politik und Bahn führt, oder die Bayern-Radl-Tour und die Radtour München-Cesenatico (an der ich 2009 teilnehmen möchte!) organisiert.
Des weiteren habe ich erfahren, was "Verkehrspolitik" bedeutet und wie vielfältig sie sein kann. Anhand der Beiträge der Delegierten und eines Vortrages des Tölzer Tourismusverbandes wurde mir noch klarer, dass Verkehrspolitik noch mehr ist als Ausfahrten organisieren, für Radwege eintreten oder Abstellmöglichkeiten an Bahnhöfen und Innenstädten zu fordern (davon gibt es jetzt sogar zwei in der Hofer Fußgängerzone! In Neumarkt steht beinahe vor jedem Geschäft einer!). Verkehrspolitik heißt auch: Schaffung einer Radkultur in Bayern (und Hof und Kronach und ...); denn Radfahren ist nicht nur gesund, umweltfreundlich usf. usf., sondern auch beglückend ("sexy", wie es einer vom Vorstand ausdrückte) und bringt uns Menschen aus so verschiedenen Ländern, Kulturen und Nationen zusammen. In diesem Zusammenhang war ich bass erstaunt über den Radweg München-Verona über den Brenner, den der Referent und begeisterte Radrennfahrer aus Bad Tölz vorgestellt hat und der bereits in Abschnitten, die atemberaubend anzuschauen waren, existiert. Da scheint es einen Streit unter den Alpenländern zu geben, welche Region die Nummer 1 wird, was die Erschließung der Alpen (!) für den Fahrradverkehr betrifft.
Ein großer Teil der Debatte war bestimmt durch Auseinandersetzungen über die Finanzen des ADFC: Verteilung und Zuteilung der Mitgliederbeiträge, Einnahmequellen der Kreisverbände, Fördermittel, Besteuerung und vieles mehr. Für nicht wenige Schatzmeister sind die Finanzen Bücher mit sieben Siegeln und oft finden sieben Katzen die Maus nicht!. Deshalb wird der Vorstand am 14. Juni ein Schatzmeisterseminar durchführen.
Während der Versammlung hatte ich natürlich öfters unseren Kreisverband Hof vor Augen, und mir wurde klar, dass wir ohne beharrliches Bohren und ohne leidenschaftliche Befürworter des Radverkehrs in Politik, Stadtrat und Stadtverwaltung Hof zwar brav weiterhin unsere Runden drehen können - aber entwickeln wird sich wenig: z.B. die von der Agenda 21 und uns vorgeschlagene (auch beim Gespräch mit dem Hofer Oberbürgermeister Dr. Fichtner in der letzten Woche) Radwegachse vom Bahnhof aus Richtung Ortsteil Krötenbruck.
Ein Vorstandsmitglied meinte: "Bekanntlich stolpert man ja nicht über Berge, sondern über Hügel ... " und auf der Versammlung sind etliche Hügel genannt worden, die ich jetzt mal auf die Hofer Verhältnisse ummünze:
- Kontakt mit Verkehrsschule/Grundschulen: Radfahren heißt mehr als "Rechts vor Links" und andere Verkehrsregeln
- Kontakt mit dem Landratsamt und dem Verantwortlichen dort für die Radwegestruktur (der soll sogar schon nach uns gefragt haben)
- Kontakt mit der Frankenpost: Veröffentlichung einer Serie von Artikeln zum Radfahren (vgl. Nürnberger Nachrichten)
- bewusste Mitgliederwerbung, z.B. mit kleinen, sinnvollen Geschenken
- Zusammenarbeit mit anderen Hofer Vereinen, bei denen sich Gemeinsamkeiten ergeben zum gegenseitigen Nutzen
Nicht so gut fand ich auf der Delegiertenversammlung, dass die Delegierten für die ADFC-Bundesversammlung ziemlich zu Anfang und vor der inhaltlichen Debatte über Vorschläge zur Politik des ADFC gewählt wurden. Walburga und ich (wir haben immer abwechselnd abgestimmt) kannten die Kandidaten ja überhaupt nicht und welche Positionen sie vertraten. Deshalb habe ich ich dem Vorstand vorgeschlagen, 2009 umgekehrt zu verfahren, also erst Debatte und dann Wahl - was dieser für eine gute Idee fand.
Wir haben alle greifbaren Prospekte und ADFC-Radtourenprogramme eingesteckt: sie geben uns eine Menge von guten Vorschlägen für unsere eigenen Vorhaben 2009 (und vielleicht schon 2008) sowie für die Gestaltung unseres Faltblattes.
Außerdem haben wir uns bereit erklärt, im Herbst eine Zusammenkunft der Kreisverbände von Oberfranken in Hof zu veranstalten.
Versöhnt mit der Welt (denn die anderen Kreisverbände haben im Grunde die gleichen Schwierigkeiten, die wir in Hof auch haben) und beeindruckt von dem Fachwissen der ADFCler, der Entwicklung des Fahrradwesens in anderen Gemeinden und der Selbstverständlichkeit, mit der anwesende Politiker die Delegierten begrüßt und wertgeschätzt haben, sind wir zufrieden und mit heißen Backen mit dem Zug nach Hof zurückgerollt ...
Jörg Ogrowsky
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