Rund ums Rad/Radlerblog

ADAC-Logik

Aus einem Interview in der Süddeutschen Zeitung mit einem ADAC-Sprecher vom 18.12.:

Was halten Sie von Motorrad- und Radfahrern, die bei Eis und Schnee auf der Straße unterwegs sind? Leichtsinn oder Dummheit?

„Ich unterstelle niemandem Dummheit. Heute habe ich beobachtet, mit welchem Gleichmut Radfahrer sich durch den Schnee kämpfen und darauf vertrauen, dass andere keine Fehler machen. Ein Auto kann ins Schleudern kommen, keiner fährt einen absichtlich um. Häufig sind Radwege nicht richtig geräumt und die Radler weichen auf die Straße aus, das ist dann doppelt gefährlich. Wenn ich Radfahrer wäre, würde ich jetzt mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren.“


Diese Aussagen sind in ihrer Dummdreistigkeit leider exemplarisch für viele Verkehrsdiskussionen.
 
Erst mal werden mögliche Opfer zu Schuldigen erklärt: nicht die, von denen die Gefahr ausgeht, sondern die, die möglicherweise Opfer schleudernder Autos werden, sollen verschwinden.

Dass bei nicht oder schlecht geräumtem Radweg auf der Straße geradelt werden kann, steht aus gutem Grund in der Straßenverkehrsordnung, und das schon vor der letzten höchstinstanzlichen Gerichtsentscheidung, die benutzungspflichtige Radwege künftig weitgehend abschafft.

Der Verweis auf das „Umfahren“, wenn auch natürlich nur unabsichtlich, ist für ein zivilisiertes Gemeinwesen auch nicht akzeptabel: die Stärkeren, Gepanzerten drohen den Schwachen, Ungeschützten mit roher Gewalt.

Auch Autofahrern könnte man mit gutem Grund den Rat geben, anstelle ihrer sehr viel Platz beanspruchenden und umweltschädigenden Fahrzeuge lieber öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen.
Aber die ADAC-Logik geht wohl eher so: wir haben derzeit ein Platzproblem. Damit die Breiten weiter durchkommen, sollen die Schmalen weichen.

Oliver Groll/19.12.2010

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