1. Kleeblatt-Tour 2009 am
 26.04.2009

Mit dem Radl zum lokalen Produzenten

24 Radler im Alter von 10 bis 70 Jahren folgten am Sonntag, den 26. April dem Aufruf von ADFC - Hof und lokaler Agenda 21 Hof zu einer besonderen Tour in die Region: Es wurden verschiedene Orte angeradelt, wo Menschen Produkte oder Dienstleistungen vorstellten und von ihrem Leben erzählten. Die Idee dahinter: Global denken, lokal handeln – das Motto der Agenda 21. Wo lohnt es sich einzukaufen, um damit regionale Wirtschaftskreisläufe zu stärken, wer produziert was in der Region und welche hoffnungsvollen Initiativen es gibt, die nachhaltige Entwicklung im Kleinen voranzutreiben, darum geht es auf den so genannten “Kleeblattradtouren”, die im Sommer 2009 vier Mal angeboten werden. Die Idee ist aus dem Engagement der Agenda 21 zum Thema “Produkte aus der Region” entstanden.
In Zusammenarbeit mit der FH Hof entsteht derzeit eine Internet-Seite auf der interessierte Konsumenten die regionalen Produkte leichter finden können.

Organische Waschmittel aus Trogenau:

Holger Sommermann in Trogenau empfängt die Gruppe mit einem Glas frischer Milch vom benachbarten Bauern und erzählt wie er hobbymäßig mit der Kreierung verschiedenster Waschmittel, Seifen, Ölen und Shampoos angefangen hat. Heute  ist aus dem Hobby ein kleiner Nebenerwerb geworden und sein Keller ist inzwischen ein Labor mit einer Vielfalt an biologischen Ingredienzien.  Besonders Menschen mit empfindlicher Haut oder Allergiker lassen sich gerne im “Naturtöpfla” ihre speziellen Mischungen herstellen. Das mit Orangenöl versetzte Grundwaschmittel riecht so gut, dass es einer der Radler sogar als Haarwaschmittel verwendete. Davon riet Herr Sommermann aber schmunzelnd ab. Orangen sind sehr fettlösend, was dem Haar nicht gut bekommt.

Streichbögen aus Oberprex:

In Oberprex wurde die Firma Knoll besucht, die mit Materialien aus aller Welt hochwertigste Streichbögen produziert. Um einen Geigenbogen  herzustellen braucht man unter anderen Fernambuk-Holz aus Brasilien, Elfenbein aus Afrika, Ebenholz aus Asien und Pferdehaare aus der Mongolei. Die Herstellung aber erfolgt in Handarbeit in der lokalen Werkstatt. “Mein Großvater Alfred Knoll hat 1932 diesen Betrieb gegründet”, erzählt der Geigenbauer und Inhaber Gerald Knoll. “ Zuerst produzierten wir für die Verleger in Marktneukirchen, von wo aus die ganze Welt mit Musikinstrumenten beliefert wurde. Doch nach dem Krieg kamen die amerikanischen Einkäufer zu uns und wir konnte Mitarbeiter einstellen und in größerer Menge produzieren. Ein Geigenbogen aus unserer Werkstatt kostet heute zwischen 300 und 5000 Euro.” Vom Schülerbogen bis hin zum diamantbesetzten Bogen findet sich alles in Oberprex. Dass die Firma Knoll global denkt, um auch in Zukunft Geigenbögen produzieren zu können, das zeigt sie durch ihr Engagement für die “Internationale Initiative zur Erhaltung des Fernambuk-Holzes”. Wegen seiner besonderen Eigenschaften ist das Fernambuk-Holz aus Brasilien für den Bogenbau unübertreffbar geworden. Das “Pau Brasil” ist aber durch die seit 250 Jahren andauernden Abholzung des Atlantischen Tropenwaldes in Brasilien vom Aussterben bedroht und gehört zu den geschützten Baumarten. Seit Ende 1999 haben sich Bogenmacher, Geigenbauer und Musiker aus über 18 Ländern zusammengeschlossen, um den Bestand der Bäume zu erhalten und um eine zukünftige Materialbeschaffung zu sichern. Ein prozentualer Anteil jedes verkauften Bogens wird für die Wiederaufforstung von Fernambuk-Bäumen und Erhaltung von Wäldern verwendet.

Direktvermarkter in Ossek am Wald:. Die drei Direktvermarkthöfe Lang, Schörner und Wendel, die auch jeden letzten Samstag im Monat auf dem Hofer Wochenmarkt sind, haben ihre Köstlichkeiten auf Biertischen mitten auf dem Hof von Familie Lang aufgebaut. Die Gruppe darf von allem versuchen. Neben hausgemachter Gulaschsuppe, selbstgebackenen Brot, eigener Wurst und dem traditionellen Kochkäs gibt’s Bier oder Saft aus den eigenen Äpfeln. Anschließend lässt Helga Lang von ihren verschiedensten schmackhaften Kuchen probieren. Danach ist es schwer sich von diesem Ort zu lösen. Nachdenklich machen die Erläuterungen der Bauersleute über ihren stetigen Umsatz aber mangelnden Nachwuchs.
Uns fehlt die Jugend um weiter lokal zu produzieren”. Die Nachfrage wäre da.

Auf der knapp 45 km langen Strecke wurden insgesamt 8 Stationen angefahren.
Für viele der Teilnehmer der Radlergruppe war vieles neu und unterwartet.
Die Produkte haben ein menschliches Antlitz bekommen, die Zusammenhänge werden klarer, Netze wurden geknüpft und Prospekte für den nächsten Einkauf mitgenommen.

Interessierte aus Hof, die sich auch für die lokalen Produkte und die Menschen,
die dahinter stecken interessieren, sind herzlich zu den nächsten Touren eingeladen.
Die nächste Tour ist am Sonntag, den 24. Mai 2009. Jeden letzten Sonntag in den Monaten April bis Juli geht es in eine andere Richtung von Hof aus. Start ist jeweils um 10:00 Uhr am Kugelbrunnen am Oberen Torplatz. Immer auf den Spuren von nachhaltigen Initiativen in der Umgebung, natürlich ohne Auto, nachhaltig und umweltschonend mit dem Fahrrad.

Nähere Informationen auch unter www.adfc-hof.de oder www.stadt-hof.de

Weitere Infos:
Anne Oertel - Sprecherin Agenda 21 Bürgerkreis Hof
Lorenzstr 47
95028 Hof
Tel 09281-1446909

Zusammenfassung der besuchten Betriebe/Anbieter oder Örtlichkeiten:

Naturtöpfla
Holger Sommermann
Trogenau 25
95194 Regnitzlosau
Telef. 09294/1713

Angelika Schemmel
Abbeitzen und Restaurierungen
Nentschau 23
95194 Regnitzlosau
Telef. 09294/1294

Knoll Streichbogen
Oberprex 16
95194 Regnitzlosau
Telef. 09284/1386
www.knollbows.de/

Ellen Dimmling
Reittherapie
Ludwigsbrunn 72
95111 Rehau
Telef. 09294/975357

Franzosengrab Faßmannsreuth

Direktvermarkter Lang, Schörner und Wendel
Osseck am Wald
95194 Regnitzlosau

Motorrad-Museum
Günter Mühl
Draisendorf 30
95194 Regnitzlosau
Telef. 09283/1419
www.motorrad.museum.de.vu/

Brennerei Rainer Pöllath
Gartenstraße 1
95182 Tauperlitz
Telef. 09281/45716 oder 45240